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Ein Blog. Eigentlich eine schöne Idee. Ich schreibe gerne, immer wenn es mir schlecht geht, oder wenn ich merke, es könnte mir bald schlecht gehen. Damit kann ich manchmal vieles abfangen. Aber was eigentlich? Und warum?

Weil ich eine Mama bin, die ihr Kind verloren hat. Eine Mama, die mit ihrem 12jährigen Helden gegen den Krebs gekämpft hat und doch haben wir verloren.

Verloren?! Eigentlich gar nicht der richtige Begriff. Denn, wenn man etwas verliert, dann ist es weg, für immer. Ist mein Kind weg? Na ja, der Körper ist weg. Aber mein Kind ist immer da. Mein Kind ist nie wirklich weg. Als Fabi auf die Welt kam, hatte ich das Gefühl, jemand hat mein Herz in ein lebendes Wesen gesteckt. Schon ab dem ersten Ultraschall, immer diese Herzklopfen bei mir, ob denn auch sein Herzklopfen da ist. Dieses Luft zuschnüren, wenn der Frauenarzt einen Moment ruhig ist und dieses aufatmen, wenn alles in Ordnung ist. Gefühle, vollkommen neue Gefühle, Gefühle welche man nicht einordnen kann. Und es wird nicht weniger. Okay, na klar, umso älter sie werden umso entspannter wird man. Und beim 2. und 3. Kind sowieso. Aber trotzdem, jedes Fieber, jedes „anders“ macht uns Angst, immer und immer wieder. Weil da etwas ist, was man so vollkommen und pur liebt, dass man es gar nicht beschreiben kann. Ja, diese kleinen Monster können einen zur Weißglut treiben und auf die Palme bringen und an manchen Tagen kommt man aus dem schimpfen nicht raus, aber, wenn sie einen anlächeln, wenn sie lachen oder einfach wie Engel schlafen, dann fühlen wir uns so voller Liebe, voller Stolz und Glück, dass tatsächlich alles vergessen ist. Eine innere Erfüllung, niemand anderes kann einem das geben. Und dieses Gefühl empfinde ich noch immer wenn ich an ihn denke. Erfüllung, Erinnerungen. Liebe. Also nein, ich habe ihn nicht an den Krebs verloren. Der Krebs hat uns sogar ein besonderes Geschenk gemacht. Zeit. Ganz besondere Zeit. Und dafür bin ich dankbar, dem Krebs dankbar. Ich bin eine alleinerziehende Mama. Arbeit, 2 Jungs, Sport, Schule. Jede Menge Routine. Zeit durch die man durchrennt und am Ende der Woche sagt man „Wo ist die Zeit hin?“ Für mich wäre der Worst-Case-Fall gewesen, hätte ich mein Kind morgens schnell verabschiedet, vielleicht noch ohne zu sagen „ich liebe Dich“, vielleicht hätten wir uns sogar gezofft und mittags wäre ein Anruf gekommen, der Schulbus hatte einen Unfall, ihr Sohn hat es nicht geschafft. Ich sehe mich selbst, wie ich in diesem Moment zerbrechen würde. Wie mir das Schicksal die Keule über den Kopf ziehen würde und ich einfach umfallen würde ohne je wieder aufzustehen. Aber, trotz all der Tragik hat es das Schicksal nicht nur schlecht mit mir gemeint. Es hat mein Kind an Krebs erkranken lassen, es gab uns Hoffnung und trotzdem wusste es, dass der Weg hier fertig sein würde. Aber, mir wurde mein Kind nicht gleich genommen. Ich hatte eine wundervolle Zeit mit meinem Kind. Ja, oft im Krankenhaus, und oft ging es ihm schlecht. Aber wir hatten auch Momente dabei, wie Silvester oder die Sommerferien, von denen ich durchaus sagen kann, es war der Sommer unseres Lebens und es war das WUNDERvollste Silvester, welches wir je hatten. Ich saß stundenlang, nächtelang, tagelang einfach an seinem Bett und habe ihn beim schlafen zugeschaut. Ich habe immer gefühlt, irgendwann werde ich es herbeisehnen, ihm nochmal beim schlafen zusehen zu können. Ich habe all die Zeit, welche mir mit ihm geschenkt wurde, eingesogen. Ich habe keine Zeit verschenkt, hergegeben.
Im Krankenhaus durften immer nur 2 Personen pro Kind im Zimmer sein. Ja, es gab Tage, da war es mal in Ordnung wenn jemand mehr drin war, aber, und ich gebe natürlich zu, hier sehr egoistisch gewesen zu sein, ich habe meinen Platz nie oder nur sehr selten hergegeben. Wenn ich zum Beispiel nach Hause musste, frische Klamotten holen, wenn ich was für ihn einkaufen musste, oder wenn mich meine Gefühle doch mal erdrückten und ich Luft und Kaffee brauchte. Ansonsten bin ich nicht weg, nie. Marcel, sein kleinerer Bruder, zählte als, sagen wir mal, halbe Person, deshalb wurde bei ihm oft ein Auge zu gedrückt, wenn er mit dem Papa vorbeikam. Und ja, ich würde es immer wieder so tun und habe auch kein schlechtes Gewissen. Einfach aus einem Grund, es IST MEIN KIND. Jeder andere konnte da wieder raus marschieren und hatte trotzdem ein gesundes Kind. Jede andere Person kann ihr Kind immer noch in den Arm nehmen, Weihnachten, Geburtstag zusammen feiern. Ich nicht! Unsere Zeit war begrenzt und das wussten wir. Und deswegen war ich jede mögliche Sekunde bei ihm und hätte meine Zeit nie geteilt. Heute bin ich so dankbar dafür. Denn ich weiß, ja, ich war immer bei ihm. Ich habe getan was ich tun konnte. Ich habe ihn unterstützt, wie ich es konnte, habe immer hinter ihm und seinen Entscheidungen gestanden.
Mein Kind ist immer da, mein Kind ist nicht verloren. Er lebt in allen Erinnerungen, in Situationen, durch gewisse Gegenstände und Orte. Oft werde ich gefragt „darf ich dich mal auf Fabi ansprechen“ oder sie machen es einfach und entschuldigen sich dafür. Aber es muss und soll sich keiner dafür entschuldigen und ja, man darf mich immer ansprechen. Er ist mein Sohn und er lebt durch Erinnerungen weiter. Gestorben ist nur, wer im Herzen nicht dabei ist, über wen nicht gesprochen wird, wer vergessen wird.
Ich rede gerne über Fabi. Immer und überall.

Autor: Anita

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