Blog 2 marina shatskih kBo2MFJz2QU unsplash Während ich hier so an meinem Laptop sitze und das WORD-Programm öffne um den Blog zu schreiben, stolpere ich über den Ordner „Fabi aus Spaß“. Ich öffne ihn und es sind liebe Worte von ihm an mich geschrieben, mit ganz vielen Smileys. Es sind kleine Geschenke für mich, von ihm, welche ich immer wieder finde. Immer mal wieder, irgendwo, in irgendeinem Ordner. Mein Laptop hat eigentlich die besten Zeiten hinter sich. Er braucht oft ewig lange um ein Programm zu öffnen und

die Tasten sind auch nicht mehr wirklich alle zu erkennen. Außerdem muss ich ständig alles korrigieren, da meine Finger wohl schneller tippen, als der PC es verarbeiten kann. Der Akku funktioniert auch nicht mehr, was bedeutet, ich muss immer am Strom hängen. Ich schreibe ein Buch über unsere Geschichte, möchte dabei Dinge erzählen, welche man in den Videos nicht erzählen konnte, weil dies jeglichen Rahmen sprengen würde. Es wäre praktisch den Laptop einfach immer und überall dabei haben zu können. Man hat Zeit, es kommt eine Erinnerung, ein Gedanke, Laptop raus, schreiben. Das geht mit diesem alten Ding nicht. Warum kaufe ich nicht einfach einen neuen? Ja, so würde es wohl jeder machen, so hätte ich es früher gemacht. Einfach einen Neuen kaufen, den Alten ersetzen. So machen wir das heute. Alles was nicht mehr einwandfrei, makellos ist, wird ersetzt. Warum auch nicht? Das ist unsere Zeit. Wenn die Kinder groß sind, wer hat denn da noch den Kinderwagen zuhause? Der ist viel zu sperrig und zu groß. Besondere Kleidung? Nur wenige. Man kauft so viel neues, dass kein Platz für das alte ist also kommt es auf den Flohmarkt oder auf eine Onlineplattform. Natürlich ist das auch irgendwie in Ordnung. Ich miste zweimal im Jahr bei mir aus, im Wohnzimmerschrank, im Kleiderschrank. Es tut mir gut, es ist wie die Seele aufräumen. Und trotzdem habe ich ganz besondere Dinge nie hergegeben. Fabis Kinderwagen steht in seinem Zimmer und darüber bin ich sehr glücklich. Ich habe eine Kiste, in denen befinden sich das Lieblingskuscheltier, das Lieblingsbuch, die Spieluhr. Die Kleidung, mit welcher er aus dem Krankenhaus nach Hause kam, die erste Wintermütze, das erste Sommerkäppi. Das erste Deutschlandtrikot, die ersten Schuhe und so weiter. Ich liebe diese Kisten von meinen Jungs und hole sie gerne mal raus. Wir denken oft nicht daran, dass uns was genommen werden kann und kommen dann nicht damit klar, dass uns greifbare Erinnerungen fehlen. Mich inspiriert dieser Laptop, denn hier hat Fabi in die Tasten gehauen. Diese Tasten sind auch durch ihn abgenutzt. Hier hat er mir Erinnerungen gelassen und oft finde ich sie genau in Situationen, in welchen es mir nicht gut geht. Dann ist es für mich, als lotst er mich von da oben an diese Datei, damit ich wieder lächeln kann.
Fabi hatte einen Sorgenfresser. Für alle die das nicht kennen, es ist ein Kuscheltier mit einem Reißverschluss am Bauch, wo die Kinder ihre Sorgen „reinstecken“ können. Fabis Sorgenfresser hieß Enno. Enno war sein Freund und er erzählte ihm immer alles. Enno antwortete natürlich auch immer. Erklärte ihm Situationen, zeigte ihm andere Seiten auf oder sprach ihm einfach Mut zu. Eines Mittags hatten wir Krach und ich war verdammt wütend auf Fabi. So wütend, dass ich ihn nicht mal zum Abendessen am Tisch haben wollte. Ich brachte ihm also ein Tablett ins Zimmer, auf dem sein Essen und Trinken stand. Nach einer halben Stunde stand das Tablett leergegessen vor seiner verschlossenen Zimmertür. Auf den Tablett war Enno. Er hat Enno erzählt, warum er heute so wütend war und warum er sich so verhalten hat. Enno hat ihm natürlich wieder geantwortet und ich habe Enno dann wieder ins Zimmer zurückgebracht. Irgendwann lag Enno wieder vor der Tür und auf dem Zettel stand „Danke Enno das es dich gibt. Du bist der beste Zuhörer und Freund den es gibt. Ich hab dich ganz doll lieb. Dein Freund Fabi“ Der Brief ist nach wie vor in Ennos Bauch. Enno steht mittlerweile bei mir im Schlafzimmer. Immer wenn mir der Gedanke kommt, dass ich vielleicht manchmal doch zu streng war, dass ich mich nie hätte mit ihm streiten dürfen, dann hole ich diesen Brief raus und weiß genau, egal wie oft wir uns gestritten haben, unser Leben war immer mit Liebe gefüllt und auch streiten gehörte zu uns. Ich weiß durch diesen Brief auch, dass er auch wusste, dass er manchmal im Unrecht war. Wichtig sind nicht immer die Entschuldigungen. Wichtig ist das man aufeinander zu geht. Das man nicht zu stolz sein darf. Das haben vor allem Kinder uns Erwachsenen voraus. Sie streiten sich und danach ist alles wieder vergessen. Fabi hat mich viel gelehrt. Kinder müssen erzogen werden, brauchen Regeln, ABER manchmal sollten wir uns auch von Ihnen leiten lassen. Manchmal können wir ganz viel von Ihnen lernen. Und auch wenn es manchmal nur ein kleiner Zettel ist, kann er irgendwann mal ein Herzensstück werden. Ein kleiner Zettel, von einem Blatt unsauber abgerissen, gibt mir heute immer wieder Kraft und Halt.
Meine Jungs haben sich auch oft beschwert, dass nur ich Post bekomme. Irgendwann habe ich angefangen ihnen Postkarten mit schönen Sprüchen zu schicken. Einfach so, per Post. Mit Briefmarke und allem. Mal woanders weggeschickt, mal hier auf der Post weggeschickt. Sie waren glücklich darüber und irgendwann fingen Sie an mir Karten zu schicken. Fabi kam dann oft „Mama du musst mal an den Briefkasten, ich glaube die Post war heute Mittag nochmal da“. Diese Karten zieren meine Wände, den Kühlschrank, Magnettafeln. Eine Erinnerung für die ich sehr dankbar bin. Ganz wundervolle Worte von meinen Kids. Und immer wenn es schwer wird, nehme ich eine solche Karte, lese Sie und fühle wie mein Kind mich umarmt. Erinnerungen machen unsere Liebsten lebendig.

Autor: Anita

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