OsternErstmal hoffe ich, dass alle schöne Osterfeiertage hatten und diese genießen konnten. Das Wetter war herrlich und auch wenn nicht jeder das Glück hat auf dem Land zu wohnen und raus zu dürfen, momentan ist das zumindest Glück, so kann ich jedem nur den Tipp der Achtsamkeit geben. Fenster öffnen und einfach zuhören. Hinsetzen, Handy weglegen, vielleicht noch die Augen schließen. Was werdet ihr wahrnehmen?

Nur positives. Die Vögel, den Frühlingsduft, das Summen der Bienen und bestimmt noch ganz viel mehr. Ich höre den ersten „aber mein Kind“. Bindet eure Kinder ein, macht einen Wettbewerb daraus, wer am meisten „wahrnimmt“, wer am längsten still sein kann. Jetzt habt ihr die Gelegenheit

euren Kindern entschleunigen beizubringen. Ich hatte die Tage schon den ersten Post gelesen „alles bereit für Ostern, aber dieses Jahr müssen wir das erste Mal Ostern alleine mit den Kindern verbringen“. Das ist eben das halbleere Glas. Aber, seht es doch so, ihr dürft Ostern mit euren Kindern verbringen. Denn eure Kinder sind da und somit habt ihr doch das größte Glück auf Erden bei euch. Seid doch einfach dankbar dafür und seht das halbvolle Glas.

Eines der ersten Dinge ich heute morgen zu lesen bekam war „ein solches Osterfest haben wir wohl alle noch nicht erlebt. Keine Familie und Freunde...Besuche und Reisen....keine Lebensqualität....und Angst um die Familie“
Doch, genau das erleben jährlich tausende Familien! Immer! Und da gibt es keine Regierung die uns sagt „so, jetzt ist der Spuk vorbei. Simsalabim, alle Menschen sind wieder gesund. Ihr braucht keine Angst mehr um eure Kinder zu haben“.

Mein Covid-19 Jahr war 2017 und hieß Ewing Sarkom und meine Angst war nicht unberechtigt, denn mein Kind starb daran. Krebs macht auch vor Ostern kein Halt. Krebs sind alle Feiertage egal. Krebs ist schließlich ein egoistisches Arschloch. Und so waren wir über die Feiertage in der Klinik. Kein Osterbrunch mit der ganzen Familie. Keine gemeinsame Radtour, Eier suchen im Garten oder Eisessen in der Stadt. Nein, einfach gelangweilt im Krankenhaus liegen. Spazieren gehen? Wäre eine Option gewesen, wäre es ihm besser gegangen, er bekam in dieser Zeit schließlich keine Chemo sondern „nur“ Bestrahlung. Bestrahlung wird ja von Nicht-Kennern gerne verharmlost. Ich kann euch eins sagen, Bestrahlung ist an manchen Tagen schlimmer als Chemo. Und so hatte ich nicht nur einen Sohn, der sich dem Essen verweigerte, sondern auch der frischen Luft. Fenster öffnen und Achtsamkeitsübungen machen! Welches Fenster? Die gibt es in vielen Zimmern nicht. Über Ostern war sogar unsere längste Zeit. Knapp 5 Wochen. Solange, dass wir sogar das Pflegegeld gestrichen bekamen. Auch hier interessierte niemanden meine finanzielle Einbuße, die ich sowieso schon hatte. Und auch, dass sich Fabi von niemandem „pflegen“ ließ außer von mir. Wir waren nicht zuhause, also hätten das ja auch komplett die Schwestern übernehmen können. In einer Urlaubszeit wie Ostern, ohne die eh schon vorhandenen Engpässe. Das ist wie die GEZ bezahlen zu müssen, auch wenn man die Sender nicht einschaltet, man könnte es ja tun.

Alleine mit Fabi im Krankenhaus liegen wäre vielleicht gar nicht das schlimmste gewesen, aber es gibt ja noch den kleinen Bruder. Der durfte sein Nest dann auf der Onkologie suchen, schließlich soll er ja auch ein wenig ein Ostergefühl haben und er war ja erst 7. Die meisten Eltern wollen ihre Kinder vor Orten wie einer Kardiologie, einer Onkologie und vor allem einem Hospiz fernhalten. Ohne zu wissen, wie viel lachen es an diesen Orten doch gibt, schließlich sind sie voll mit Kindern. Kinder die an manchen Tagen sterbenskrank sind und Kindern, denen es aber an manchen Tagen zum Glück so gut geht, dass sie all ihr Leid auch mal vergessen können und einfach nur Kind sein dürfen. Ja, andere Eltern halten es vor ihren Kindern fern und ich hatte nicht nur ein Kind auf solch einer Station liegen, sondern auch noch eins, dass die Feiertage dort verbringen musste, sein Osternest dort suchen musste. Und wisst ihr was? Meinem Kind hat es nicht geschadet. So schlimm all diese Zeit war, mein Kind ist daran gewachsen, hat aus dieser Zeit etwas mitgenommen. Man kann es nicht lernen, man kann es nur sein. Empathisch, mitfühlend. Zu wissen, dass Glück liegt nicht in allem Großen. Höher, schneller, weiter. Das Glück liegt im Kleinen. Zu zweit, zu dritt oder sogar zu viert glücklich sein können. Spaß haben können. Reden können und wollen. Am Ende des Tages ins Bett zu gehen und zu sagen „heute war ein schöner Tag“. Und das obwohl der Tag eigentlich vollkommen unspektakulär war. Man hat entschleunigt, vielleicht etwas gespielt, zusammen Zeit verbracht. Denn auch wenn so viele es nie sehen, sehen wollen. Zeit ist das wichtigste, Zeit ist das schönste Geschenk von allen. Denn unser aller Zeit ist begrenzt. Unsere Zeit ist endlich! Den Tod interessiert keinen Feiertag. Kein Ostern. Kein Weihnachten, kein Geburtstag. Ihn interessiert es nicht, ob der 18., der 40. oder der 80. schon gefeiert wurde. Wenn er entscheidet, dass unsere Kerze auf der Erde ausgeht, dann geht sie aus.

Ich möchte keine Werbung machen, deswegen nenne ich auch keinen Namen. Aber es gab damals eine Firma, welche Osterbhasen auf der Station verteilte. Das selbst ist noch nicht das Besondere, denn auch wenn es ganz arg lieb gemeint ist und sicher auch von Herzen kommt, die wenigsten Kinder haben die Schokolade wirklich gegessen, es sind schließlich alles Kinder, welche unter Chemo stehen, bzw. standen und was diese Chemo mit einem Kind und seinem Geschmack macht, habe ich ja schon genug erläutert. Aber die Mitarbeiter selbst waren als Hasen verkleidet, was die Kinder sehr süß fanden und ich war total erstaunt, dass sogar mein Fabi ein Bild mit sich machen ließ, obwohl es ihm echt schlecht ging und er in dieser Zeit gar keine Bilder wollte. Es haben nicht nur die Kinder etwas bekommen, sondern auch die Familien und zusätzlich gab es nochmal einen Stoffhasen, sogar einen verhältnismäßig großen. Sie zeigten damit Weitblick. Sie wussten, sie können den wenigsten Kindern mit der Schokolade eine Freude machen, dass können sie aber bei den Familien und sie können den Kindern trotzdem ein Lächeln ins Gesicht zaubern und dafür bin ich heute noch sehr dankbar.
Da Fabi damals einwilligte, dass die Firma das Bild veröffentlichen dürfe, weiß ich, dass ich es euch allen auch zeigen darf.

Autor: Anita

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