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  • tradetzky

5 Jahre ohne dich...


Am 7. Juni 2018 ist meine Welt stehen geblieben... 5 Jahre ist das jetzt her... Unglaublich...

5 Jahre...


Wie ich mich heute fühle?


Es kommen viele Erinnerungen hoch...


In der Zeit vor dem 7. Juni 2018 gab es einige Tage, an denen es mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat.

Z.B. in der Nacht vom 12. auf den 13. September 2016, als bei einem Not-MRT rauskam, dass mein gerade mal 1 Jahre alter Sohn einen Hirntumor hat.

Bis dahin dachte ich ernsthaft, Krebs bei Kindern gibt es nicht... vielleicht in der Bildzeitung... ganz weit weg... und plötzlich sind wir mittendrin.


Es gab einige Tage, vorallem rund um die Kontroll-MRT´s die vor Angst kaum auszuhalten waren. Die ständige Angst, dass wieder etwas noch Schlimmeres kommt...


Und am 02. Mai 2018 kam sie, die Nachricht, die schlimmer nicht hätte sein können:

"Die Medikamente schlagen nicht an. Wir können nichts mehr machen!"


Einen Tag später kam Fabi´s kleine Schwester auf die Welt...


... und 5 Wochen später ist das passiert, was ich bis dahin komplett versucht habe zu verdrängen...


... Fabi hat unsere Welt verlassen...


Aber ich konnte nicht zusammenbrechen. Ich hatte am 07. Juni 2018 nicht nur ein Kind im Arm, dass ich für immer verloren hatte, sondern auch ein 5 Wochen altes Wunder, das einfach da war und uns gebraucht hat und dafür bin ich unglaublich dankbar!


5 Jahre sind wir nun ohne dich. 5 Jahre!


Am Anfang habe ich oft zu hören bekommen, dass es jedes Jahr besser wird...

Ich weiss nicht, ob es wirklich besser wird, aber es wird jedes Jahr anders...


Die ersten Jahre bin ich irgendwie weitergelaufen... habe einfach nur funktioniert... aber seit 2020 erwache ich langsam aus meiner Schockstarre...


Vor kurzem hat meine Therapeutin mir erklärt, dass sie der Meinung ist, dass ich mein Leben wieder ganz gut ohne sie hinkriege... und mich "rausgeschmissen" 😉

Nein, kleiner Spaß... Aber sie hat Recht! Meine Welt dreht sich wieder... relativ normal sogar... anders als vorher, aber es geht weiter... ich kriege das alleine hin.


Aber mit der Zeit gibt es auch Fragen, die immer und immer wieder in meinem Kopf auftauchen... Fragen, auf die ich wahrscheinlich nie eine Antwort bekommen werde...


Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle:

Könnte Fabi noch leben, wenn die Forschung schneller gewesen wäre? Wenn mehr Menschen die Kinderkrebsforschung unterstützen würden, hätte es dann vielleicht schon eine Therapie geben können, die ihm geholfen hätte?


Aber auch die Frage, könnte Fabi noch leben, wenn die Kinderärztin mich ernst genommen hätte und man früher gemerkt hätte, dass der Grund für 3 Monate Erbrechen ein Tumor war?

Warum habe ich nicht früher den Kinderarzt gewechselt?


Es ist nicht so, dass mich diese Fragen unglaublich quälen, aber immer mal wieder sind sie da...


Ich weiss auch, dass ich nichts mehr ändern kann. Es ist wie es ist.


Das ist auch eine Sache, die ich gelernt habe. Es bringt überhaupt nichts, sich über Dinge aufzuregen, den Kopf zu zerbrechen oder zu ärgern, die man sowieso nicht (mehr) ändern kann.

Man muss nach vorne schauen und egal was kommt, das Beste daraus machen.


Seit der Diagnose hat sich viel verändert... ich habe mich verändert. Mir sind viele Dinge viel wichtiger geworden, aber es gibt auch einige Dinge, die mir total unwichtig geworden sind.


Schöne Dinge zu erleben und Zeit mit meinem Kind zu verbringen ist so wertvoll. Natürlich gibt es Tage, an denen "Mama sein" unglaublich anstrengend ist... und natürlich jammere ich auch manchmal darüber, dass mir Schlaf fehlt, dass ich meinem Kind alles 5x sagen und alles hinterhertragen muss... aber ganz ehrlich: Wir können froh sein, wenn unsere Kinder nachts rufen, wenn wir mit ihnen immer wieder darüber diskutieren müssen, ob jetzt Fernseh geguckt werden darf oder nicht, oder auch warum Nutellabrot und Schokokekse meiner Meinung nach NICHT in die Kindergarten-Brotbox gehören...


... denn Fabi ruft nachts nicht mehr, wir werden nie darüber diskutieren, ob es jetzt noch etwas Süßes gibt, wann das Licht ausgemacht wird, wann er nach Hause kommen muss und ob er Tennis, Fußball, Golf oder Handball spielt oder doch lieber ein Klavier hätte...


...und so anstrengend es manchmal auch ist, ich bin froh, dass ich genau diese Diskussionen mit meiner Tochter noch führen darf.


Ich glaube ich bin sicher ängstlicher geworden, was mein Kind angeht, aber auch definitv entspannter... ich sehe viele Dinge nicht mehr ganz so eng, wie früher.

Stelle definitv aber auch mehr in Frage, was Sinnhaftigkeit und Nutzen angeht... und ganz bestimmt übertreibe ich auch, was Inhaltsstoffe in Kosmetik- und Drogerieartikeln angeht... 🤪aber so ist das eben...


Ich habe die letzten Jahre viele Erfahrungen gemacht, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können...

... aber ich bin auch daran gewachsen. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, die mein Leben unglaublich bereichern...


5 Jahre kann ich Fabi schon nicht mehr in den Arm nehmen, aber trotzdem ist er jeden Tag bei mir. In meinem ♥️, auf Bildern und Videos und in meiner Erinnerung.


... und was mir dadurch eben auch sehr bewußt geworden ist, ist das die Kinderkrebsforschung einfach schneller voran kommen muss, damit irgendwann kein Kind mehr an einem Ependymom oder einer anderen Krebsart sterben muss!


Durch Ein Kiwi gegen Krebs lebt Fabi irgendwie weiter.

Jedes Mal, wenn ich Luftballons in die Kinderklinik bringe, ist er irgendwie da.

Bei unserer ersten Aktion hat er noch ganz fleißig mitgeholfen Spenden zu sammeln. Und ich glaube, er ist stolz darauf, dass wir das machen was wir machen. Auch wenn all das Fabi nicht mehr helfen wird, hilft es hoffentlich vielen, vielen anderen Kindern!


Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn heute sicher die Traurigkeit überwiegt...


Es sind die Momente, die Erinnerungen, die einen lächeln oder auch weinen lassen... Letztes Jahr wäre Fabi in die Schule gekommen. Wir waren bei meinem Patenkind auf der Einschulungsfeier... aber eigentlich hätten wir Fabis Einschulung feiern müssen... das sind Momente die wirklich schwer sind... aber es gibt auch die schönen Momente, an denen Fabi wieder so fröhlich präsent ist, wie er war... und fehlen wird er immer... egal ob mir die Erinnerung ein Lächeln oder Tränen ins Gesicht bringt...


... aber nach 5 Jahren gibt es auch wieder die Tage, die einfach normal sind. An denen sich die Dinge nur um Fabi´s Schwester, Kindergartenkram, Arbeit und andere alltäglichen Dinge drehen... und das ist auch gut so!


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